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PR-Gags, die Geschichte machten

„APISEGS – Wege zum Ruhm“ ist eine Webseite, auf der man lernen kann, wie man erfolgreich in die Medien kommt, und zwar  anhand von PR-Gags, die Geschichte machten. So weit, so einfach.

Doch genau genommen gibt es gar keinen PR-Gag, erst recht keinen, der in die Geschichte einging. PR-Gag – was soll das überhaupt sein? Im Lexikon findet sich das Wortgebilde ohnehin nicht – noch nicht einmal bei Wikipedia.

Der Begriff PR-Gag wird in aller Regel gelangweilt, respektlos und verachtend gebraucht. Und doch schwingt da auch immer noch etwas Fasziniertes mit, ist in gewisser Weise mit Neugier und Anerkennung, manchmal sogar mit Hochachtung verbunden. Ganz nach dem Motto ‚Viel Feind, viel Ehr’ scheint dort, wo sich so viel Häme und Schmäh ergießt, auch etwas Pikantes, etwas Reizvolles, vielleicht Adrettes, vielleicht Mutiges, womöglich Ehrenwertes oder Ruhmreiches versteckt zu sein. Etwas, dem Aufmerksamkeit gebührt, etwas Verdienstvolles.

Eben! PR-Gags sind das prachtvolle Ergebnis planmäßiger Effekthascherei, das die spröde Wahrheit aus dem dunklen Schatten ans grelle Licht der Öffentlichkeit zieht. Sie sind bestaunenswerte Meisterstücke der Legendenbildung, dank derer Ideen, Personen, Ereignisse sich unvergesslich in die Köpfe einbrennen – bis hinein ins letzte Dorf. Wer den Begriff „PR-Gag“ verwendet, setzt eine zielgerichtete Kommunikation voraus und will sie als trickreiche Täuschung entlarven: „Ha, Du täuschst mich nicht! Ich weiß, dass es Dir nur um jene versteckte Botschaft geht, nicht um das, was Du vorgibst zu tun!“

Irgendjemand muss sich das Ganze ausdenken, einer muss die Regie führen bei der großen Inszenierung, einer muss die Effekte definieren, einer muss die Legenden stricken, die dem Volk untergejubelt werden. Dazu braucht es eine Strategie für den PR-Gag, damit das Publikum die Pointe versteht und nicht einfach nur lacht, sondern sich die Botschaft einverleibt und möglichst nie wieder vergisst.

Um das zu erreichen gibt es wiederkehrende Methoden und Techniken. Auch ein bisschen Gespür ist meist hilfreich. Und das Timing muss stimmen. Kurz: Alles muss zusammenpassen.

Sieben Taktiken gibt es, die einen PR-Gag zum PR-Coup machen.

  • Taktik 1: Das Absurde – oder : die Verknüpfung von Unsinn zu Neusinn
    Zwei Elemente werden miteinander verknüpft, die für sich gesehen alltäglich, aber in der Kombination lächerlich, sonderbar, abstoßend oder zumindest irgendwie nicht zueinander passend empfunden werden.
  • Taktik 2: Der Tabubruch – oder: die Kunst des Polarisierens
    Regeln werden bewusst verletzt, Gesetze und Gebote umgangen, man sucht bewusst und öffentlich den Konflikt mit den Autoritäten einer Gesellschaft oder einer Religion.
  • Taktik 3: Ruhmestausch – oder: sich im Glanze anderer sonnen
    Prominente Gesichter und vertraute Symbole steigern den Effekt und geben dem PR-Gag erst den richtigen Speed. Und auch umgekehrt profitieren die ausgewählten Prominenten von diesem Ruhmestausch.
  • Taktik 4: Selbstinszenierung bis zur Selbstaufgabe
    Sich als Person komplett in einen PR-Gag zu verwandeln, ist wohl die hohe Stufe der Ruhmessucht, die mit oder ohne klare Konturen funktioniert – wenn man nur diszipliniert genug ist. Systematische Selbstinszenierungen brauchen einen langen Atem und vollen Einsatz – jederzeit und überall.
  • Taktik 5: Die inszenierte Niederlage – oder: die erfolgreiche Blamage
    Das Scheitern wird bewusst als Beweis der Menschlichkeit inszeniert, der Gag funktioniert wie eine souveräne Geste von Demut und Bescheidenheit.
  • Taktik 6: Die Geheimnistuerei – oder: bewusst Dinge nicht erzählen
    Je mehr Rätsel sich um ein spektakuläres Ereignis ranken, desto mehr Aufmerksamkeit wird ihm geschenkt, sehr zur Freude der Medien, die sich nunmehr auf die Suche nach dem Geheimnis machen…
  • Taktik 7: Pointierende Täuschungen – oder: durch kleine Schummeleien Dinge auf den Punkt bringen
    Wer in die Medien will, sollte es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Legendenbildung gehört zum Standard-Repertoire des medialen Storytellings. Ist eine Geschichte von allein nicht spannend genug, wird sie eben spannend gemacht.

Für einen gelungenen PR-Gag muss man natürlich nicht unbedingt gleich alle Taktik-Register ziehen. Eine intelligente Kombination aus der einen oder anderen Taktik oder eine klare Konzentration auf nur eine einzige können ans Ziel, nämlich in die Schlagzeilen führen. Wer jetzt Beispielen fragt, klickt einfach hier.