Mina – ein Superstar. Und ein Phantom!

Schlagerstar Mina

Wer ein Geheimnis hat, braucht sich nicht weiter um das Interesse anderer Leute zu kümmern. Er hat es ganz selbstverständlich. Ein klug inszeniertes Geheimnis wirkt wie ein Magnet, der die Gedanken dauerhaft anziehen kann. Ein bisschen neue Nahrung und der Film im Kopf schlägt eine neue Richtung ein. Geheimnisse können in der Öffentlichkeit sogar Jahrzehnte lang ungelöst und gerade deshalb spannend bleiben, zum Beispiel, wenn eine Person plötzlich aus dem öffentlichen Leben verschwindet. So passiert mit Mina.

In Italien ist Mina jedem Kind ein Begriff. Es gelingt ihr mühelos die Titelspalten sämtlicher italienischer Blätter zu beherrschen. Denn Mina ist ein Superstar. Und ein Phantom. Seit fast einem Viertel Jahrhundert hat sie der Öffentlichkeit nicht ein einziges Mal ihr Gesicht gezeigt, obwohl jährlich ein von ihr selbst produziertes Album erscheint, das regelmäßig in die Spitzen der italienischen Hitparaden aufsteigt und in allen italienischen Tageszeitungen rezensiert wird. Mina ist in Italien allzeit anwesend und zwar gerade weil sie durch Abwesenheit glänzt. Mina ist ein Geheimnis. Und deshalb verkauft sie sich wahrscheinlich auch viel besser, als wenn sie seit dreißig Jahren mit ihren alten Hits von Fernsehshow zu Fernsehshow tingeln würde.

Mina war schon als 18jährige in Italien zum Star geworden. Durch ihre Lieder wandelten sich dürftige Herz-Schmerz-Geschichten zu antiken Liebestragödien. Ihre markante Stimme machte sie vier Jahre später – 1962 – auch zum Spitzenreiter der deutschen Schlagerparade. Ihr eigenartiges Lied mit dem kryptischen Titel „Heißer Sand und ein verlorenes Land“ handelte von der Liebesgeschichte einer Frau zwischen zwei Männern, die dann in Mord und Flucht zu enden scheint. Für kurze Zeit erlangte sie damit auch in Deutschland Kultstatus.

Mina eignete sich gut zur Kultfigur, so wie sie sich nach ihrem Verschwinden auch gut zum Mythos eignete: Ihr Markenzeichen war das kohlrabenschwarz umrandete Riesenauge, das unter einem Pony hervorlugt. Blondiert mit leuchtend roten Lippen, römischem Profil, einer sehr weiblichen Figur und exzentrischen Outfits war sie der Inbegriff damaliger italienischer Männerträume. Dabei war ihr Lebenswandel höchst umstritten. Eine Liaison mit einem verheirateten Mann und die Geburt eines unehelichen Kindes erschütterte das katholische Italien zutiefst. Dass sie ihre Karriere trotzdem unbeirrt fortsetzte, machte sie dann auch noch zum Vorbild der modernen italienischen Frau.

Mysteriös: Blanko-Scheck – grußlos zurückgesandt
Mit ihrem zwanzigsten Bühnenjubiläum im Alter von 38 Jahren wurde Mina mit einem Schlag für die Öffentlichkeit unsichtbar. Aus der schillernden Diva wurde die große Einsame. Die Person Mina verschwand spurlos und machte dem Mythos Platz. Und ihre Karriere war mitnichten zu Ende: Im selbstgewählten Exil im Tessin formte sie ihr Bild in der Öffentlichkeit weiter mit unverminderter Präzision aus. Bestimmend dabei ist ihre Zusammenarbeit mit dem Grafiker und Fotographen Mauro Balletti geworden. Nur er hat seitdem die Umschläge ihrer neuen Alben gestaltet und in faszinierender Weise mit dem Mina-Mythos gespielt.
Im Laufe eines Vierteljahrzehnts sind diese Cover selbst zu Artefakten geworden, die in fortwährender Metamorphose Mina und die unterbewussten Bilder ihrer Landsleute mischen und damit ans Tageslicht holen. In einer Gratwanderung zwischen Kitsch und Kunst spielt Balletti mit den Vorstellungen vom Schönen und Wahren. Seit den 80er Jahren ist ihm deshalb auch das Interesse des Kunstmarktes gewiss.

Am eindrücklichsten ist die leicht spöttische Auseinandersetzung Minas mit dem eigenen Mythos auf einer Darstellung, die sie als gelackte, verlegen-kokett lächelnde Art-Déco-Schönheit zeigt, die eine auf sie zufliegende grell bunte Sahnetorte erwartet. Aus der Abgeschiedenheit ihres Exils setzt Mina Abbilder ihrer selbst in Umlauf, bei dem die italienische Öffentlichkeit nicht minder stark unter inneren Beschuss gerät. Dass die Verschleierung immer wieder mal zum Rätselraten in der Yellow Press über das Aussehen der Verschwundenen führt, ist dabei verkaufsfördernder Nebenaspekt. Ja sogar Mutmaßungen über gesichtsentstellende Unfälle oder matronenhafte Ausmaße sind selbstverständlicher Teil des Mythos geworden.

Trotz aller Irritationen – oder vielleicht gerade deshalb – ist die italienische Öffentlichkeit Mina treu und huldigt ihr. Die Musikerin hat ganz Italien in der Hand. Unter anderem soll Federico Fellini Mina – erfolglos – eine Rolle angeboten haben. Und dem Booklet einer der letzten CDs kann man folgende pikante Geschichte entnehmen: Der Mediengigant Silvio Berlusconi, mittlerweile italienischer Ministerpräsident, soll ihr einmal einen Blanko-Scheck in die Schweiz mit der Bitte um einen öffentlichen Auftritt zugeschickt haben. Es heißt, sie habe ihn grußlos zurückgesandt.

Anfang des Jahrtausends hieß es, Mina wolle per Internet ins Rampenlicht zurückkehren. Auf einem ominösen Webportal werde sich die inzwischen Sechzigjährige am 30. März 2001 eine Stunde lang live präsentieren. Die Nachricht zündete wie eine Rakete. Doch niemand fand die Geheimnisumwitterte im Gewirr der Webseiten. Heute schreibt Mina für La Stampa und Vanity Fair vereinzelt Kolumnen und hat auch eine eigene Webseite, auf der man – wen wundert’s – im Prinzip nichts Wissenswertes erfährt. Hoch lebe das Geheimnis!

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