„Ein Yeti also?“

Buchcover


Als ein Beispiel von vielen, wie sich mit dem Aufdecken eines Geheimnisses Ruhm erheischen lässt, ohne dass in dieser ach so aufgeklärten Welt die Sphäre des Unbegreiflichen wirklich entschlüsselt würde, sei die Geschichte des Yeti erzählt. Der legendäre Schneemensch, der seit Ewigkeiten in den Bergen des Himalaya haust, zählt heute nicht mehr zu den reinen Legende der Welt. Das Mysterium ist gelöst. Reinhold Messner hat das Geheimnis gelüftet. Oder ist es nicht doch umgekehrt? Ist nicht Reinhold Messner durch den Yeti selbst zum Geheimnis geworden…?

Es soll so gewesen sein: Irgendwo in Tibet hangelte sich Gipfelstürmer Messner durch den eiskalten, schnell fließenden Mekong. Ein falscher Schritt, und es wäre um Messner geschehen. Doch er schafft die Überquerung des Flusses und mühsam beginnt der weitere Aufstieg durch das Unterholz, ohne Ahnung, ob die eingeschlagene Richtung tatsächlich irgendwann zu menschlichen Behausungen führt oder in die Irre. „Und dann, lautlos wie ein Gespenst, trat etwas Großes, Dunkles in eine Nische zwischen das Rhododendrongestrüpp“, schreibt Messner in seinem Bericht. „Weich glitten behaarte Füße über den Waldboden, verschwanden, tauchten wieder auf, wurden schneller.“ Es gruselt einem schon beim Lesen, wie erst muss sich Messner selbst gefühlt haben? „Als es wiederkehrte und kurz auf die Lichtung trat, war es eine Figur, riesengroß, auf zwei Beinen.“

Dem Leser sträuben sich die Nackenhaare, doch dann macht sich Erleichterung breit: Das unbekannte Wesen verschwindet wieder und Messner, jetzt wieder ganz furchtloser Forscher, untersucht den Ort, an dem „Es“ gestanden hatte. Und findet: „Ein Fußabdruck! Im Grau der Dämmerung starrte ich auf eine riesige menschliche Fußspur! Gut zu erkennen! Auch Zehen waren auszumachen!“

Der Fußabdruck erinnert Messner an ein berühmtes Foto von 1951, auf dem ebenfalls ein Fußabdruck zu sehen war und das bis dahin als der beste Beweis für die Existenz des Yeti galt. „Ein Yeti also?“ fragt sich auch Messner und gibt die Antwort in seinem Buch „Yeti. Legende und Wirklichkeit“.
Genauestens erzählt der Yeti-Bezwinger, wie er im Sommer 1986 in absoluter Einsamkeit innerhalb mehrerer Stunden zweimal auf das ihm unbekannte zoologische Wesen trifft. Auf seinen rund dreißig vorherigen Reisen im Himalaja hatte er nie einen Yeti zu Gesicht bekommen. Deshalb habe er auch den Mythos, der sich in Europa in der Legende vom Schneemenschen „als auflagensteigernder Gegenstand von Zeitungsmeldungen bewährte“, nie ernst genommen, schildert Messner seine eigenen Vorurteile.

Nach dieser Begegnung mit dem Unbekannten jedoch ist sein Interesse geweckt und er nimmt länger als ein Jahrzehnt die Spur des Yeti auf. In den Kammländern des Himalaja Nordindien, Nepal, Sibirien und Tibet fragt er Nomaden, Mönche, Siedler nach Erfahrungen mit, Reliquien von und Geschichten über dieses unbekannte Wesen, immer in der Hoffnung, es selbst noch einmal zu erblicken. Und je näher die befragten Menschen dabei an der Schneegrenze leben, desto seltener trifft Messner auf Legenden und desto häufiger auf Erfahrungen.

Der Begriff „Yeti“ ist dabei ständigen Veränderungen unterworfen, der Leser des Buches muss mit immer neuen Namen für das unbekannte Wesen zurechtkommen: Chemo, Dremo, Yeh Teh, Chemong… Doch letztlich steht hinter allen diesen Namen und den wenigen Fotos, die zu schießen Messner gelungen ist, ein Bär, mal braun, mal mit weißem Kopf, mal ganz schwarz. Aber kein Kragenbär! Nein, es scheint eine gänzlich unerforschte Rasse zu sein, die sich zurückzieht je weiter die Zivilisation vordringt.

Nach allem, was er gesehen hat, überrascht Messners Credo dann doch: Der Yeti entstehe erst im Kopf, wenn die blutrünstigen Legenden und die Fantasie auf den Bären kommen. Er müsse als ein „Sammelbegriff für alle diese Himalaja-Ungeheuer verstanden werden“, hat Messner im Jahrzehnt seiner Yeti-Suche herausgefunden. Nach einem Gespräch mit dem Dalai Lama kann er sich davon überzeugen, dass auch der in den Zusammenhang zwischen tatsächlichem Tier und Mythos eingeweiht ist, wenn auch noch letzte Fragen offen sind:
„Chemo und Yeti bedeutet vielleicht auch das Gleiche?“, fragte der Dalai Lama.
„Ich bin mir dessen seit einigen Monaten sicher“, antwortete Insider Messner und – O-Ton Messner – „legte einen Finger auf die Lippen, wie mein Gegenüber es auch tat, als gelte es, vor den anderen ein Geheimnis zu hüten.“

Dieser Beitrag wurde unter 6. G-Geheimnisse machen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

18 Antworten auf „Ein Yeti also?“

  1. Pingback: styczen

  2. Pingback: www.lamppostmanufacturers.info

  3. Pingback: http://applyarticle.com/the-sideways-cross-necklace-is-sincerely-elegant/

  4. Pingback: Fat Loss Factor

  5. Pingback: incorporating in singapore

  6. Pingback: car insurance comparisons

  7. Pingback: manhole covers and frames

  8. Pingback: windlicht groot

  9. Pingback: manholecovermanufacturers.com

  10. Pingback: Basement Crack Repair

  11. Pingback: scott tucker lacrosse

  12. Pingback: lantaarns en windlichten

  13. Pingback: lantaarns.net

  14. Pingback: scott tucker essence

  15. Pingback: News

  16. Pingback: compare auto insurance

  17. Pingback: Resources

  18. Pingback: files upload

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.