Afri-Cola – „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola“

„Brillant“ oder „anstößig“, das waren auch die häufigsten Reaktionen auf den Afri-Cola-Werbespot, die der Werber und Weltraumkünstler Charles Wilp ab Ende der 60er Jahre kreierte: Hinter vereisten, beschlagenen Scheiben, die zu seinem Markenzeichen wurden, ließ er knackige junge Nonnen, Vietnam-Soldaten und Pin-up-Girls posieren und betextete das Ganze dann mit dem Gaga-Slogan „Sexy-mini-super-flower-pop-op-cola, alles ist in Afri-Cola“, der in zusammenhanglosen Chiffren das Lebensgefühl einer ganzen Generation wiedergab. Dabei setzte er auch ein Pin-up oben ohne hinter die Scheibe – und war damit der Erste, der in der deutschen Werbung Busen zeigen ließ. „Damals“, so erinnert sich Wilp heute, „wurden die Kinder ins Bett geschickt, wenn meine Spots im Fernsehen liefen.“

Das Werbekonzept wurde ein Riesenerfolg, denn es traf exakt den Nerv der Zeit, die von Flowerpower, Vietnam-Protesten und Oswald-Kolle-Filmen geprägt war: Wegen Vietnam war die europäische Jugend eher geneigt, sich von den USA und amerikanischen Produkten zu distanzieren – eine gute Voraussetzung für ein deutsches Cola-Getränk. Oswald Kolle hingegen bemühte sich mit seinen Filmen, den Deutschen die Lust am Sex schmackhaft zu machen, und auch Wilp war angetreten, um mit seiner erotischen, sinnesfreudigen Werbung „unter deutschen Dächern die soziale Distanz zum Sex abzubauen.“
Bei den Hippies, die die freie Liebe predigten, lief er damit offene Türen ein. Auch die provozierende Darstellung von Nonnen, dem Klerus selbstredend ein Dorn im Auge, stärkte das Marken-Image bei der jugendlichen Zielgruppe. Kurz gesagt, das Konzept ging auf: Die koffeinhaltige Brause in den erotischen Flaschen mit schmaler Taille und geschwungener Hüfte wurde zum Kultgetränk – und bescherte dem Unternehmen ein Umsatzplus von vierzig Prozent. Eine ganze Generation schwelgte im Afri-Cola-Rausch.

Doch vereiste Scheiben und nackte Busen waren nicht Wilps wichtigstes Verdienst um die Entwicklung neuer Werbeformen. Als einer der Ersten bekannte er sich zu dem Credo: Werbung ist Kunst. Wilp hatte Kunst studiert, sich aber dann, beeinflusst von der Pop-Art, die die Grenzen zwischen Kunst und Nicht-Kunst aufgelöst hatte, bewusst für die Werbung entschieden: „Ich wurde Mister Afri Cola und knackte den Kunstcode. Für mich ist Kunst gleich Werbung.“

Wenn banale Objekte des Massenkonsums zu Kunst deklariert werden, hat das natürlich auch auf die Werbung als der ursprünglichen Heimat eben dieser Produkte Auswirkungen. Die Werbung begann, sich künstlerischer Formen und Mittel zu bedienen, um einem Produkt ein bestimmtes Image zu geben. Produktvorteile, Kundennutzen und Preis-Leistungs-Verhältnis, die zentralen Punkte einer klassischen Werbeaussage, treten demgegenüber in den Hintergrund. Und mit seiner Afri-Cola-Kampagne war Wilp ein Pionier dieser innovativen Werbebotschaft.

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