Ein Hund auf der Titelseite des people-magazine

 

 

Bilder zu schaffen, die sich in jedes Wohnzimmer tragen lassen – das gehört zu jeder großen PR-Inszenierung. Was mit den Augen wahr genommen wird, bleibt im Gedächtnis anders haften als alle Lektüre. Und was auf dem Bildschirm passiert, ist oft wirklicher als die Realität. Kein Medium ist geeigneter, um kurzfristig Aufmerksamkeit zu erlangen. Ein junger Amerikaner hatte Anfang der 1970er Jahre entdeckt, dass er sein Ziel nur mit Hilfe des Fernsehens erreichen würde. Ihm war klar, dass die eigentliche Aktion nicht lange dauern würde. Außerdem musste er einfach Scheitern. Aber das gehörte zum Plan und war durchaus beabsichtigt.

Der Student Alex Stein war ein begeisterter Frisbeespieler, der jede Minute nutzte, um im Park zu üben. Der Sport war noch nicht sehr etabliert; erst Ende der 1950er Jahre war aus dem Werfen von Kuchenblechen, das die jungen Gesellen der Bäckerei „ma Frisbee“ übermütig entdeckt hatten, eine Sportart geworden. Bäcker-Erbe Wham’O Frisbee hatte sich das Patent dafür gekauft und den Namen Frisbee als Trademark schützen gelassen. Relativ schnell entstanden verschiedene Arte von Scheiben, die jeweils unterschiedliches Flugverhalten zeigten. Alex Stein bevorzugte die sogenannten Fastbacks. Sie sind kleiner und leichter und können darum auf kurzen Distanzen schneller und präziser geworfen werden als andere Frisbeescheiben. Und: Sie bleiben länger in der Luft.

Alex Stein brachte das Frisbeespiel auch seinem Hund Ashley bei. Ashley war ein Whippet-Rüde, ein zierlicher englischer Windhund mit kurzem feinem dicht anliegendem Haar, der enorm schnell laufen und sehr hoch springen konnte. Der Hund war fanatischer Frisbee-Fan genau wie Herrchen. Sobald die Scheibe flog, nahm er Tempo auf, setzte im richtigen Moment zum Sprung an, um dann das Frisbee noch in der Luft zu fassen. Ein neuer Mannschaftssport war geboren. Alex und Ashley übten täglich. Mit der Zeit eigneten sich die beiden immer mehr Tricks an.

Alex Stein wollte das Hunde-Frisbee-Spiel bekannt machen. Er brauchte dazu ein sportbegeistertes Publikum, das er im „Dodger Stadium” in Los Angeles fand. Am 5. August 1974 würden dort die Baseballteams der L.A.Dogers und der Reds in einem nationales Meisterschaftsspiel aufeinander treffen. Stein schmuggelte Hund und Frisbee ins Stadion und wartete ab bis zur Pause nach dem achten Inning. Dann sprang das Disc-Dog-Team über den Zaun, rannte so schnell es konnte auf das Feld und begann mit er Show: Durch Ashleys hohe Laufgeschwindigkeit von fast sechzig Stundenkilometern und seinen mehr als zwei Meter hohen Sprüngen wurde das Frisbeespiel von Hund und Herrchen zu einem Spektakel ohne Gleichen. Das Publikum tobte. Für die TV-Sender und Radioreporter war die unerwartete Attraktion rund um den tollkühner Hund, der hinter einer Scheibe Plastik herjagte, ein wunderbarer Pausenfüller, der das Publikum vor den Bildschirmen genauso wie im Stadion begeisterte.

Die Show dauerte nur wenige Minuten; dann hatten Sicherheitsmänner Alex und Ashley gestoppt und vom Platz geführt. Doch der kurze Auftritt hatte genügt. Das Disc-Dog-Team hatte einen Boom ausgelöst. Alex trat in unzähligen TV-Sendungen auf, durfte bei der Show zum Super Bowl XII dabei sein, sein Hund Ashley schaffte es als erstes nicht-menschliches Wesen auf den Titel des people-magazine zu kommen; er bekam eine eigene Kreditkarte, wurde das Maskottchen der Football Mannschaft der L.A. Rams und als dreimaliger Hundefrisbee-Weltmeister schaffte er die Aufnahme in die „Dog Fancy“ Hall of Fame. Als Ashley  mit 14 Jahren in den Armen seines Besitzers starb, wurde diese Nachricht von fast allen Nachrichtenstationen in den USA gemeldet.

Intuitiv hatte Alex Stein übrigens mehrere PR-Techniken miteinander verknüpft: Er hatte eine Blamage und Niederlage riskiert. Und er hat einen Tabubruch, sogar einen Gesetzesbruch gewagt, denn es ist nunmal auch einem noch so sensationell guten Frisbeespieler nicht gestattet auf dem Spielfeld ein eigenes Spielchen anzufangen.  Vor allem hat Stein aber den Umstand genutzt, dass Hunderte von Kameras auf einen Punkt gerichtet waren, der zwar eigentlich nicht seiner war, den er aber zu seinem gemacht hat: Alex und Ashley haben sich bei ihrer selbstgewählten gesetzesbrecherischen Blamage obendrein noch im Glanze anderer gesonnt. Und somit ist der Hund ein wahres Glanzexemplar der PR-Geschichte.

 

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